Die Eins muss weg!

von Michael Striegl

 

Der heutige Artikel steht im Zeichen von Geduld und Bewusstsein,

Gewohnheit und dem Ausbrechen aus der Norm.

 

Freiheit!

Die Freiheit nimmt in der Musik eine entscheidende Rolle ein.

Ohne die Möglichkeit zu experimentieren und gestalten - eben die Freiheit

in der Musik sein zu lassen, hätte es diverse Meilensteine schlicht nicht gegeben.

Gleichzeitig entsteht dadurch aber auch ein Problem.

"Der Mensch ist eine träge Masse" pflegte einer meiner früheren Dozenten immer zu 

sagen.

Und diese Aussage wird mit zB. der improvisierten - also (relativ) freien 

Musik fast schon greifbar.

Freiheit bedeutet gleichzeitig auch, dass man Gefahr läuft, sich auf Instinkte zu

verlassen. 

Instinkte sind natürlich ein wesentlicher Bestandteil der Improvisation.

 

Wohlfühlen.

Ist es nicht wunderbar, die Musik einfach fließen zu lassen?

Ja - ist es!

Und bitte behaltet Euch dies auch bei!

Aber das Bewusstsein, was das für die Musik - bzw. den Zuhörer bedeutet, sollte

dabei nicht zu kurz kommen.

Wohlfühlen, sich fallen lassen, geht sehr oft mit Standard einher.

Nehmen wir dazu doch mal die berühmte Zählzeit 1.

In meinen mittlerweile 18 Jahren, in denen ich Musikunterricht erteile, ist mir eins ( haha!)

immer wieder aufgefallen:

Die 1 (in Worten: EINS!) ist sozusagen der Wohlfühlbereich.

Ach... Entspannung.

Aber Vorsicht! Die 1 ist gleichzeitig nämlich auch relativ langweilig.

Ihr könnt es ganz einfach im Selbstversuch ausprobieren.

 

Wie das?

Knallt Euch einfach einen Backingtrack (zB. via youtube, iRealpro, oä) rein.

Nehmt Euer Smartphone, Diktiergerät, Laptop, etc. dazu und nehmt Euch beim spielen auf.

Wenn Ihr die Aufnahme dann im Anschluss anhört, zählt doch einfach mal mit, wie oft Eure

Phrasen auf die 1 angefangen haben.

 

Geduld:

Nun macht Ihr nochmal den gleichen Spaß - aber mit dem Augenmerk darauf, KEINE Phrase 

auf die 1 zu beginnen.

Ihr werdet bemerken, dass es 1. Timingbewusstsein fördert und 2. Pausen an Stellen generiert, 

wo Ihr sie vorher nie vermutet hättet.

 

Und nun vergleicht die beiden Aufnahmen ;-) 

Potentiell könnt Ihr natürlich auch eine Veränderung ohne Aufnahmen erkennen.

In der heutigen Zeit ist aber eine ungeschönte Aufnahme Gold wert für Eure Fortschritte - 

also macht es auch, sofern Ihr die Möglichkeit dazu habt.

 

Ich denke Ihr könnt eine direkte und relativ massive Veränderung Eures Spiels feststellen.

 

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Ausprobieren, Üben und Training und freue mich auf Euer Feedback und sämtliche Fragen.

 

Wir lesen uns.

 

Michael Striegl

 

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Kommentare: 1
  • #1

    RICO_KUSCHLERIN (Donnerstag, 18 Oktober 2018 10:57)

    Wird gemacht Boss! Gute Idee, auch sich selbst Aufnehmen im. Allgemeinen hilft ungemein, ob Phrasierung oder Intonation oder aber auch Bewegungen die sich negativ auswirken oder aus dem Takt sind. Interessant: Taktgefuhl und Pulse beim musizieren mit dem Körper mitmachen!!